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Ein Brief aus Potsdam

Matthias Platzeck wünscht der Stiftung viel Erfolg

Land Brandenburg / Ministerpräsident

Potsdam, 2. November 2011

Sehr geehrte Vereinsmitglieder,sehr geehrte Förderer, Bewahrer und Freunde Brandenburgischer Dorfkirchen,

Theodor Fontane hielt sie mit feinem Gespür in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" fest: die Geschichten, die Menschen und den stillen Reiz der Mark Brandenburg. Er erzählte von Schlössern und Klöstern, Orten und Landschaften; zugleich aber beschrieb er den Zauber der kleinen Dinge. Für ihn waren dabei die zahlreichen Kirchen wichtige Landmarken; er empfahl ihren Besuch
wegen ihrer sehenswerten Architektur und Ausstattung.

Dorfkirchen erzählen vom wechselnden Lauf der Zeiten, von ihren angestammten Gemeinden und von dem Neuen, das Einwanderer und Glaubensflüchtlinge mitbrachten. Kirchengebäude, aus Holz oder Feldsteinen errichtet, sind oft von schlichtem Äußeren und dennoch entfalten sie im Inneren eine bemerkenswerte Pracht. Manche von ihnen beherbergen wertvolle Malerei, Altar-Schnitzkunst, sehenswerte Figuren aus Holz oder Stein, kunstvoll gestaltete Fenster. In ihnen erklingt jahrhundertealte Kirchenmusik, oft sind allein schon die Orgeln oder die Glocken sehens- und hörenswert.

Brandenburg verfügt mit seinen rund 1.500 Dorfkirchen über einen Reichtum, dessen Bewahrung gleichzeitig auch ein Problem darstellt. Deshalb fördert das Land nach Möglichkeit. Aber das allein genügt nicht.

In den vergangenen Jahrhunderten gab es immer wieder beklagenswerte Ereignisse, die den Gotteshäusern sehr zusetzten. Erfreulicherweise nimmt in Brandenburg die Anziehungskraft brandenburgischer Sakralbauten zu,  Einheimische und Touristen besuchen sie gern, gibt es vielerorts Initiativen und regionale Fördervereine, die sich für "ihre Kirchen" engagieren, verfallenen oder vergessenen Dorfkirchen neues Leben geben und diese wieder zu gesellschaftlichen Treffpunkten gestalten.

Kirchen gehören ins Dorf. Oft sind sie die letzten "öffentlichen Gebäude", die noch vor Ort verblieben sind. Als offene Räume laden sie zum Verweilen ein, ermöglichen Begegnungen und tragen zur Identifikation mit der eigenen Geschichte bei. Ehrenamtliche gestalten "ihre" Kirchen als Kulturstätten, über rein gottesdienstliche Zwecke hinaus. Ich denke an das Programm "Musikschulen öffnen Kirchen", Ausstellungen, Lesungen, Literaturwettbewerbe, Workshops, Kino, Theater.

Auch wenn es nicht leicht ist, kirchliches Leben und kirchliche Gebäude in den ländlichen Räumen zu erhalten , die Kirche im Dorf und am Heiligabend den Pfarrer auf der Kanzel - das möchte man schon haben. Und wenn man von unterwegs nach Hause heimkehrt und der ordentlich renovierte Kirchturm von ferne grüßt, dann ist das Heimat. Ein Dorf ganz ohne Kirche? Das geht nicht. Eine Kirche ganz ohne
Menschen? Auch das geht nicht. Jemand muss sich kümmern, organisieren, am besten mit zupacken, wenn Not am Mann ist. Und das ist das Verdienst, das der "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen" zukommt. Deshalb begrüße ich die Gründung der "Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen" und übernehme gern die Schirmherrschaft, damit uns diese kulturellen Glaubensstätten erhalten bleiben.
Ich wünsche unseren Dorfkirchen viel Aufmerksamkeit, zahlreiche Förderer und engagierte Mitstreiter.

Mit herzlichen Grüßen - Ihr Matthias Platzeck



 

 



 


Förderkreis Alte Kirchen e.V. Berlin
Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 8. August 2019 12:13